Lebenslang
2002, 2 Tänzerinnen, 50min, 12x10
Zwei extrem erfolgreiche Ballerinen, die auf dem Gipfel ihrer Karriere nun gemeinsam auf der Bühne einen Rückblick auf ihr reiches Tänzerleben wagen. Der Choreograph Christoph Winkler befragte Margaret Illmann und Bettina Thiel über ihr Leben als Tänzerinnen. Wie erinnert sich ein Tänzer, was bedeutet getanztes Leben? Was passiert mit ihnen selbst, wie erleben sie ihr Altern im Tanz, wo wird es sie hinführen? Die dort geäußerten Gedanken über ihr Leben als Tänzerinnen bilden die spannende Grundlage für eine choreographische Arbeit, die sich als eine Spiegelung, einen fremden Blick auf diese zwei Frauen, Künstlerinnen und Tänzerinnen, versteht.
| Ein Stück über und mit Margaret Illmann und Bettina Thiel Choreographie: Christoph Winkler Musik: Hazard, Akira Rabelais, Chris Carter, Legendary Pink Dots, Lustmord, Fennesz Dauer: 60 min Produktion: Christoph Winkler und Barbara Friedrich Mit freundlicher Unterstützung durch den Fonds Darstellende Künste e.V. aus Mitteln des Beauftragen der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien. Dank an Frederick Ashton, Patrice Bart, John Cranko, William Forsythe, Jean Coralli, Petipa |
Auszüge aus Rezensionen
Christoph Winkler kommt vom klassischen Ballett und ist der Shootingstar der Szene ... Die beiden Ballerinen Margaret Illmann und Bettina Thiel tanzen, und das Ballett selbst ist auch Thema. .. Die Kritik war begeistert.
Der Standard Spezial, Wien, 25.07.2003
Sein Duett "Lebenslang für die beiden Ballerinen Bettina Thiel (Deutsche Staatsoper Berlin) und Margaret Illmann (Wiener Staatsoper) besticht mit einer gelungenen Mischung aus biographischen Fakten und ansprechendem Tanz, ergänzt von Texten und Videoeinspielungen... Die Flüchtigkeit des Tanzes wird zum Greifen nahe, der Tanz gewinnt durch die Menschliche Beinahe-Tragödie eine neue Dimension. Doch das Duett zeigt auch viel über Interpretationsmöglichkeiten durch Stimme und Körper, verbindet Zitate aus bekannten Choreographien mit heutigen Tanzformen. Ein gelungenes Stück für zwei außergewöhnliche Tänzerinnen.
Bolschoi-Magazin, Nr. 04/2003
Liebling 2002. Christoph Winkler. 20 Stücke seit 1999, bis vor kurzem ohne Senatsgelder, hat Winkler choreografiert. In diesem Jahr gelang ihm mit Lebenslang noch einmal ein riesiger Schritt. Winkler gehört zu den größten Begabungen im deutschen Tanz.
Zitty, Nr. 1/2003
Lebenslang heißt das Stück, das im Rahmen des SoloDuoFestival 2002 im Theater am Halleschen Ufer, Berlin, zwei der interessantesten Tänzerpersönlichkeiten zusammenführt - nicht in einem fiktiven Ballett, auch wenn Margaret Illmann am Ende zu ihren Spitzenschuhen greift, sondern in einem aufregenden Biografie-Projekt, das bei allen Höheflügen nie seine Bodenhaftung verliert... Christoph Winkler engt den Spielraum seiner Solistinnen nie ein, deshalb erscheinen beide bei aller choreografierten Gleichheit ganz unterschiedlich: Das Solo der Margaret Illmann hat anfangs noch etwas Stockendes, Stabiles, "Gerades", bevor es sie sich "gehen" lässt. Bettina Thiel ... gibt ihrem Tanz inzwischen eine Leichtigkeit, die alles Balletthafte überwunden hat: ein Gegensatz, in "Lebenslang", grandios ausgereizt.
ballett-tanz, 44/45, Januar 2003
Inszenierung des Jahres: Lebenslang, Choreografie: Christoph Winkler (Theater am Halleschen Ufer) Bühnenkünstler des Jahres: Bettina Thiel und Margaret Illmann in "Lebenslang".
Tipp, 26/12 vom 19.12.2002, Bühne: Jahresrückblick 2002
Hat das Ballett nur eine Zukunft, wenn es offener auf andere Systeme der Kunst zugeht? Christoph Winkler hat ... nach möglichen Antworten gesucht. Wie ein Archäologe beginnt Winkler seine Recherche an der Oberfläche, gräbt erst allmählich in die Tiefe, und nicht nur deshalb ist "Lebenslang" auch ein Stück für Fans. Sein Dialog von Ballett und zeitgenössischem Tanz überzeugt ...
Stuttgarter Nachrichten, 15.11.2002
Der Berliner Choreograf Christoph Winkler unternimmt in seinem Tanzstück "Lebenslang" ... eine sehr persönliche, ganz auf der Biografie der zwei Frauen basierende Innenschau eines Lebens als klassische Tänzerin. Winkler, in seinen Arbeiten als freischaffender Choreograf eher ein kritischer Hinterfrager des akademischen Tanzes, hat das sehr sensibel, mit Respekt für die Kunst und die Persönlichkeit der Tänzerinnen in den Soli und Pas de deux seiner formstrengen, minimalistischen Choreografie umgesetzt. Der Rebell des Tanzes und zwei große Ballerinen - eine faszinierende Tanzbegegnung.
Stuttgarter Zeitung, 15.11.2002
Die beiden Tänzerinnen, die sich typmäßig so fabelhaft ergänzen, feierten einen Triumph, wie er bei ihrem Auftritt in der Oper, einschließlich der Blumensträuße, nicht jubelnder hätte sein können. Es war aber auch ein tolles Programm. ... Das war zunächst einmal diesem jungen Choreografen Christoph Winkler aus Berlin zu verdanken ... Der stellte den beiden Fragen über ihr künstlerisches und privates Selbstverständnis, wie ich sie so intelligent und so nachbohrend schon lange nicht mehr erlebt habe. ... Und der sie dann auch choreografisch bis an ihre Grenzen gefordert hat.
tanznetz.de, das tanzmagazin im internet, koeglerjournal 2002/2003, 15.11.2002
"Lebenslang" ist der spannende Versuch, die Berufsgeschichte zweier äußerst erfolgreicher Ballettsolistinnen zu verarbeiten; dabei vermengen sich das Private und das Professionelle. ... So geht es um ganz konkrete Fragen, die das Leben der Tänzerin umkreisen. Zum Beispiel: Was bedeutet, 22 Jahre an demselben Haus engagiert zu sein. ... Statt einer Antwort aber wendet sich Thiel, ihrer introvertierten Art entsprechend, langsam um und beginnt ein ergreifendes, auch radikales, eben nicht sentimentales Solo. Sie findet, ebenso wie später der souverän-glamouröse Ballettstar Margaret Illmann, zu essentieller Bewegung, zu gebundener Form - wie Verse sich von Prosa unterscheiden.
Tagesspiegel, 11.11.2002